Molly Malone lebte bekanntlich davon, daß sie in den engen Gassen Dublins Muscheln verkaufte. "Bevor es mit uns auch noch soweit kommt", dachten wohl 1989 einige Marburger Religionswissenschaftler, die ihren Abschluß in der Tasche, aber keinen Job in Aussicht hatten, "gründen wir doch lieber einen Verein, mit dem wir unser Fach in den Dienst der Öffentlichkeit stellen." Gesagt, getan, REMID erblickte das Licht der Welt. Das ist nun nach Adam Riese ("und Eva Zwerg" pflegte da mein Mathematiklehrer Helmut Bahr immer hinzuzufügen, so daß es nicht wundert, daß ich es eher lernte mit Worten als mit Zahlen zu spielen) zehn Jahre her, und der Geburtstag wurde am 6. Juni in der Religionskundlichen Sammlung in Marburg im Beisein urbaner, religiöser und wissenschaftlicher Funktionsträger feierlich begangen. Diese zehn Jahre indes waren kein reines Zuckerschlecken. Von seinem Büro in räumlicher (und teilweise auch personaler) Union mit dem Diagonal-Verlag aus schickte sich REMID an, Vorurteile gegenüber Religionsgemeinschaften durch sachliche Informationen zu relativieren und kam so 1990 in den Verdacht, mit Scientology zusammen zu arbeiten. Tja, Sachlichkeit ist der Massenhysterie oft ein Dorn im Auge. Nicht abgeschreckt davon, setzten die wackeren Streiter ihren Kreuzzug gegen religionswissenschaftliche Desinformiertheit weiter fort, gaben eine Schriftenreihe heraus über Religionsgemeinschaften in Deutschland (ich habe noch einige davon zum Verkauf vorrätig; man möge mich bei Interesse danach fragen), besserte die sachliche Qualität der Bhagwan/Osho-Zeitschrift "Connection" durch religionswissenschaftliche Aufsätze auf, organisierte zwei Tagungen in Marburg (1995 über "Krititk an Religion?" und 1998 über den "Streitfall Neue Religionen"), 1996 eine Vortragsreihe über "Völkische Religiosität" in Hamburg, seit 1997 gibt es eine Homepage (http://www.uni-leipzig.de/~religion/remid.htm ; dort kann man auch die am Festtage gehaltenen Vorträge lesen), seit 1998 eine Schriftenreihe über kleinere christliche Parteien und Connection-Texthefte und und und... In einigen Universitäten, in denen Religionswissenschaft angeboten wird, ist REMID durch sog. Uni-Beauftragte vertreten (ratet mal, wer für Bonn zuständig ist). Doch was REMID für die Öffentlichkeit und auch für Religionswissenschaftler besonders interessant macht, ist sein Archiv, in welchem Zeitschriften, Zeitungen und andere Informationsmaterialien über aktuelle Religionsgemeinschaften gesammelt und elektronisch erfaßt werden. Das Archiv ist offen für jeden, doch den Weg nach Marburg muß man dazu schon finden. Aber auch per Telefon oder E-Mail kann man Informationen anfordern oder sich Referenten zu bestimmten Themen vermitteln lassen. Diese Referenten sind REMID-Mitglieder mit abgeschlossenem Studium. REMID beschäftigt eine vom Arbeitsamt bezahlte Kraft und lebt ansonsten von den Mitgliedsbeiträgen und ehrenamtlicher Arbeit. So freut man sich denn auch über jedes neue Mitglied, und der geneigte Leser / die geneigte Leserin möge sich überlegen, ob eine Mitgliedschaft nicht in Erwägung gezogen werden könnte. Denn je mehr Mitstreiter(innen) REMID hat, desto mehr kann er leisten, und desto mehr leistet die Religionswissenschaft für die Öffentlichkeit und macht sich bei selbiger bekannt, was wiederum zu besseren Berufsmöglichkeiten für uns führen kann. Bei Interesse (auch an unverbindlichen Infos) möge man sich vertrauensvoll an mich wenden. In diesem Jahr hat REMID eine neue Geschäftsstelle bezogen, getrennt vom Diagonal-Verlag, dafür in direkter Nachbarschaft zu einem Irish Pub namens "Molly Malone". Dort kann man dann den Feierabend mit ein/zwei Pints einläuten, und vielleicht bekommt man dort auch Muscheln. Slantier, REMID, möge man lange über Dich singen: "Alive, alive, oh!" PS: Für die Infos aus der REMID-Geschichte danke ich Tobias Frick, der sie bei seinem Vortrag über 10 Jahre REMID auf dem Studierenden-Symposion in Tübingen unters Volk streute.