Sechsundzwanzig Dimensionen undzwei Erkenntnisse
-Betrachtung über Physik und Religion-
von Michael A.Schmiedel



 Sechsundzwanzig Dimensionen soll der Raum haben. Wir Menschen seien an unsere drei Dimensionen so gewöhnt, daß diese Dimensionen und so unvorstellbar seien, wie einem zweidimensionalen Wesen ein Sprung in die Höhe. Unvorstellbar für den normalen Menschen, und nur ausdrückbar in der speziellen Sprache der Eingeweihten.

Von welcher Religion spreche ich hier? Nun, ich spreche vom Weltbild der modernen Physik, wie es mir im Fernsehen durch Joachim Bublath vermittelt wurde. Und tatsächlich habe ich Schwierigkeiten, mir das vorzustellen. Nur weil Licht auf seinem Weg durch den Weltraum durch hohe Massen abgelenkt wird und seine Quelle gar nicht dort ist, wo wir sie durch ein Fernrohr vermuten, soll gleich der Raum an sich gekrümmt sein? Nun habe ich zwar ein wissenschaftliches Studium absolviert und einen akademischen Rang erlangt, aber das ist mir zu hoch. Ich versuche es zu verstehen und merke, daß ich dabei so vorgehe, wie wenn ich ein religiöses Weltbild verstehen will. Es ist dabei immer eine Mischung aus Logik und Gefühl im Spiel. Menschliche Weltbilder sind selten rein logisch, bestenfalls in der formelhaften Sprache der Physiker, aus der Bublath und andere Wissenschaftsmoderatoren übersetzen, aber wohl kaum beim Empfänger der Botschaft. Menschen sind keine Computer, sondern fragen immer wieder: „Was bedeutet das für mich und mein Leben?“, und bei dieser Frage sind immer Gefühle im Spiel. Religion als der Versuch des Menschen, diese Frage zu beantworten und sein Leben der gefundenen Antwort gemäß zu leben, ist keinesfalls am Ende. Mir scheint, daß gerade solche wissenschaftlichen Theorien, die auf eine für menschliches Denken nicht überschreitbare Grenze hinweisen, hinter der es aber weitergehen soll, eher der Nährboden für religiöse Gefühle sind, als ihr Ende.

Ich habe nun fast 36 Lebensjahre und innerhalb dieser 15 Semester Universitätsstudium hinter mir und komme zu einer doppelten Erkenntnis: 1. Es gibt immer mehr als wir wissen können, so daß letztgültige Urteile unmöglich sind. 2. Wir müssen mit vorläufigen Antworten leben, und angesichts dieser Vorläufigkeit sind zwei Tugenden notwendig: Bescheidenheit und das Bestreben, immer mehr zu verstehen.
 
 

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